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5-Punkte-Hilfe für schwache Schüler - Arbeitgeber planen bundesweit Mentoren-Programme

Arbeitgeberpräsident Hundt in der Welt am Sonntag


Die deutsche Wirtschaft will sich stärker an den Schulen engagieren. Konkret arbeiten die Unternehmen an Mentoren- und Praktikumsprogrammen für leistungsschwache Jugendliche, die in zwei bis drei Jahren die Schulen verlassen. Geplant sei eine kurzfristige Unterstützung für die "Verlierer der Pisa-Generation", sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt (BDA) der "Welt am Sonntag". Ohne Hilfe drohe ihnen "der direkte Absturz von der Schulbank in die Arbeitslosigkeit".

Daher hat die BDA nun einen 5-Punkte-Plan entwickelt, um leistungsschwache Schüler schnell zu unterstützen. Kern ist, daß die Jugendlichen an einem Tag in der Woche ein Unternehmen besuchen sollen, das mit ihrer Schule kooperiert. Schüler sollen dadurch Einblicke in die Arbeitswelt erhalten und den Kontakt zu potentiellen Lehrbetrieben aufbauen. Solche "Praxisklassen", bei denen Schulen und Unternehmen eng zusammenarbeiten, gibt es bereits in Baden-Württemberg. Die Arbeitgeber wollen das Modell jetzt bundesweit ausbauen.

Ein zweiter Plan besagt, daß auch Mentoren aus der Wirtschaft den Jugendlichen bei der Suche nach Praktikumsstellen helfen sollen. Außerdem fordert die BDA Förderunterricht (Lesen, Schreiben und Rechnen) in separaten Lerngruppen, den Einsatz von Sozialpädagogen und Psychologen im Unterricht sowie eine intensive Berufsberatung durch Lehrer und Mentoren aus der Wirtschaft.

In dieser Woche wollen Verbände und Kammern Flyer mit Tips für Betriebspraktika und Mentorenprogramme flächendeckend an Schulen und Unternehmen verschicken. Nach Angaben aus Arbeitnehmerkreisen kostet das Engagement im Rahmen der Initiative SchuleWirtschaft einen zweistelligen Millionenbetrag im Jahr. Hintergrund der Initiative ist der Ausbildungspakt, den Regierung und Wirtschaft und Gewerkschaften 2004 geschlossen hatten, um die Lehrstellenlücke zu beseitigen. Schon häufig hat die Wirtschaft die mangelnde Qualifikation der Auszubildenden beklagt. Zwar seien nach der Pisa-Studie erste Reformen eingeleitet worden. Mit Ergebnissen könne man aber erst in fünf Jahren rechnen.

Fast einem Viertel der Jugendlichen fehle derzeit die Voraussetzung für eine erfolgreiche Ausbildung, sagte Hundt. "Mängel im Lesen, Rechnen und Schreiben sind genauso verbreitet wie fehlende Verantwortungsbereitschaft oder Durchhaltevermögen."

Cornelia Schmergal