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AVE-Sektorenmodell Sozialverantwortung

Das AVE-Sektorenmodell Sozialverantwortung basiert auf der „AVE-Erklärung betreffend Beschaffens-Verhaltensregeln zur Gewährleistung von Sozialstandards“ aus dem Jahre 1999. In dieser Erklärung haben sich die Mitgliedsunternehmen der AVE dazu verpflichtet, die Einhaltung der Arbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation zum Bestandteil der Geschäftsbedingungen mit ihren Lieferanten zu machen. Auf diese Weise sollten sozialverträgliche Arbeitsbedingungen in Produktionsstätten der Lieferanten, insbesondere in den Entwicklungs- und Schwellenländern, gewährleistet werden.

Das AVE-Sektorenmodell Sozialverantwortung wird seit April 2003 angewandt und versteht sich als gemeinsames Monitoring-System des deutschen (und niederländischen) Einzelhandels mit dem Ziel, Sozialstandards in Produktionsstätten weltweit zu verbessern bzw. zu implementieren. Dies erfolgt zunächst im Rahmen von Audits, die ausnahmslos von Auditierungs-Unternehmen realisiert werden, wie bei der in New York ansässigen Nicht-Regierungsorganisation Social Accountibility International (SAI) akkreditiert sind. Damit wird die Objektivität der Überprüfung gewährleistet.

Die deutschen Einzelhandelsunternehmen wollen dauerhaft dafür sorgen, dass eine anhaltende Verbesserung der Sozialstandards erreicht wird. Aus diesem Grund werden im Anschluß an ein nicht bestandenes Audit Korrekturpläne erarbeitet, die als Grundlage für anschließende Qualifizierungsmaßnahmen dienen. Die erforderliche Unterstützung reicht von individueller Beratung über Workshops bis hin zu ausgiebigen Trainingsmaßnahmen auch unter Hinzuziehung lokaler Stakeholder.

In der dreijährigen Anlaufphase wird das Modell gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) realisiert. Als beratende Instanz dient ein Projektbeirat, dessen Aufgabe es ist, das Modell und seine Entwicklung kritisch und konstruktiv zu begleiten. Probleme werden im Rahmen des Beirats und der lokalen Runden Tische diskutiert. Diese sollen langfristig die ownership über das Modell übernehmen und somit auf lokaler Ebene die Nachhaltigkeit des Systems gewährleisten.

Das AVE-Sektorenmodell Sozialverantwortung ist bislang ohne Beispiel. Nirgendwo anders hat sich bisher ein gesamter Sektor zusammengeschlossen, um eigenverantwortlich zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den Herstellerländern beizutragen. So wurde auch bald erkannt, dass die Implementierung eines analogen Modells im europäischen Rahmen sinnvoll wäre. Als Konsequenz erfolgte im März 2003 die Gründung der Business Social Compliance Initiative (BSCI) durch den europäischen Dachverband der AVE, der Foreign Trade Association (FTA) mit Sitz in Brüssel. Die BSCI wird auf mittlerer Sicht als gesamteuropäische Lösung das AVE-Sektorenmodell ersetzen.

Der BSCI gehören inzwischen mehr als 40 europäische Unternehmen aus acht europäischen Ländern an. Als einzige privatwirtschaftliche europäische Initiative bietet die BSCI eine geeignete Plattform für Handel, Importeure und Konsumgüterhersteller zur Verbesserung der Sozialstandards in der Lieferkette.