Integration

Integration von älteren Menschen

Arbeitnehmer im fortgeschrittenen Lebensalter sind heute im Allgemeinen vitaler und leistungsfähiger als je zuvor. Diese erfreuliche Entwicklung spiegelt sich jedoch in Deutschland nicht in einer entsprechend hohen Erwerbstätigkeit Älterer wider.
Angesichts einer alternden und rückläufigen Erwerbsbevölkerung ist die Wirtschaft aber dringend auf eine höhere Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitnehmer angewiesen.


Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) hat bereits vor einigen Jahren die Diskussion zur Erhöhung der Erwerbsbeteiligung Älterer angestoßen. U.a. wurde ein Unternehmens-Leitfaden „Ältere Mitarbeiter im Betrieb“ entwickelt, in dem praktische Hinweise für eine vorausschauende generationsübergreifende Personalpolitik gegeben werden. Darüber hinaus hat die BDA gemeinsam mit Arbeitgeberorganisationen aus anderen europäischen Mitgliedstaaten und der Bertelsmann Stiftung das Projekt „Proage – Die demographische Herausforderung meistern“ durchgeführt. Im Austausch von Erfahrungen und Methoden zur Verbesserung der Beschäftigungssituation älterer Arbeitnehmer wurden gemeinsam Strategien zur Bewältigung der bevorstehenden demografisch bedingten Beschäftigungslücke entwickelt. Mit dem Projekt wurde des Weiteren die Notwendigkeit längerer Erwerbsbiografien stärker in das öffentliche Bewusstsein gerückt. Ergebnisse des Projektes sind zum einen länderspezifische Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der gesetzlichen und tariflichen Rahmenbedingungen für die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer. Zum anderen wurde ein Good-Practice-Kompendium „Erfolgreich mit älteren Arbeitnehmern – Strategien und Beispiele für die betriebliche Praxis“ entwickelt, in dem Fallbeispiele von Unternehmen mit altersadäquater Arbeitsorganisation und mit Personalprogrammen zum Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer mit entsprechenden Handlungsempfehlungen dargestellt werden.


Ein weiteres Projekt zur Förderung der Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitnehmer ist die Demografie-Initiative des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagebau (VDMA) und des Zentralverbands Elektrotechnik und Elektronikindustrie (ZVEI). Hier wurden Konzepte insbesondere bei kleinen und mittelständischen Unternehmen gefördert, die zur Vermeidung bzw. Bewältigung der Probleme der demografischen Entwicklung auf betrieblicher Ebene beitragen sollen. Im Rahmen dieser Initiative wurden über 70 Unternehmen wissenschaftlich beraten, um personalpolitische Strategien und Instrumente in Hinblick auf die demografischen Herausforderungen zu entwickeln. In einem Folgeprojekt „Demografie-Initiative II“ werden die gewonnenen Ergebnisse aufbereitet und in die Fläche getragen.


Diese Initiativen zielen darauf ab, das Bewusstsein für die bevorstehenden demografischen Veränderungen in den Unternehmen zu stärken und die Notwendigkeit deutlich zu machen, sich mit gezielter Personalentwicklung, Weiterbildung und Arbeitsgestaltung frühzeitig darauf einzustellen. Auf der betrieblichen Ebene hat bereits eine Umorientierung stattgefunden. Viele Unternehmen haben für sich erkannt, dass der Unternehmenserfolg künftig mit einer älteren Belegschaft erzielt werden muss als heute. Zur Bewältigung des Alterungsprozesses haben bereits einige Unternehmen Lösungsansätze entwickelt, die Innovationen im Bereich der Arbeitsorganisation, der Arbeitszeitregelungen, Personalentwicklungskonzepte und Qualifizierungsprozesse betreffen. Diese sind nicht allein auf ältere Mitarbeiter bezogen, sondern in der Regel generationenübergreifend und stellen auf alle Altersphasen des Berufslebens ab: Sie haben die spätere Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit der heute noch jüngeren Mitarbeiter ebenso im Blick wie die Integration der heute schon älteren Mitarbeiter.



Integration von Menschen mit Behinderungen


Unternehmen fühlen sich der beruflichen Integration von Menschen mit Behinderungen seit Jahrzehnten verpflichtet. Viele Unternehmen verstehen Politik für behinderte Menschen als einen Teil ihrer Unternehmenspolitik und Ausdruck der sozialen Verantwortung des Unternehmens. Grundsätze dieser Politik im Unternehmen sowie Ziele, Aufgaben und Handlungsschritte der beruflichen Integration werden meist in Richtlinien oder Integrationsvereinbarungen festgehalten. Durch verschiedene Sensibilisierungsmaßnahmen und Schulungen des Managements und der Belegschaft insgesamt wird ein Klima zugunsten der Beschäftigung behinderter Menschen und für ein besseres Miteinander von Menschen mit Behinderungen und nicht behinderten Menschen im Betrieb geschaffen. Die große Zahl Beschäftigter mit Handicaps in den Betrieben beweist, dass diese voll leistungsfähige Mitarbeiter sind, wenn sie an der richtigen Stelle eingesetzt werden. Vielfach sind gerade diese Mitarbeiter besonders motiviert und gehen ihre beruflichen Aufgaben äußerst engagiert an, weil sich ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen wollen. Menschen mit Behinderungen eine Chance zu geben, sich durch Leistung zu bewähren, ist damit nicht nur eine sozialpolitische Aufgabe, sondern betriebswirtschaftlich sinnvoll und Bestandteil der Betriebskultur.


Trotz gesetzlicher Überregulierung und Bürokratisierung der Beschäftigung schwerbehinderter Menschen und auch in Zeiten wirtschaftlicher Schwierigkeiten setzen sich Unternehmen freiwillig für eine verbesserte Integration von Menschen mit Behinderungen in den Betrieb ein. Das belegen die verstärkte Beschäftigung in nicht beschäftigungspflichtigen Betrieben und private Initiativen der Wirtschaft über die gesetzlichen Vorgaben hinaus wie das „Unternehmensforum für schwerbehinderte Mitarbeiter und Kunden“. Das „Unternehmensforum“ ist ein Netzwerk von Unternehmen mit dem Ziel, das Angebot von Produkten, Dienstleistungen und Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderungen auf der Basis unternehmerischer Leitlinien aktiv und flexibel zu gestalten. Es organisiert und koordiniert bundesweit den fachlichen Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen Unternehmen und fördert die Darstellung beispielhafter Aktivitäten von Unternehmen im Umgang mit schwerbehinderten Arbeitnehmern und Kunden. Die Mitglieder entwickeln gemeinsam Strategien und Leitlinien zur umfassenden Teilhabe schwerbehinderter Menschen am Wirtschafts- und Arbeitsleben. Auf dieser Basis berät das Unternehmensforum Unternehmen bei der Umsetzung von Modellen erfolgreicher betrieblicher Integration und bietet u.a. Schulungen für Unternehmensmitarbeiter an. Mitglieder des Unternehmensforums sind u.a.: Fraport AG, Deutsche Bank AG, Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG, Lintec AG, Mainova AG, Schott Glas, Verlagsgruppe Rhein Main GmbH & Co. KG und das ZDF.


Ein Beispiel für freiwilliges Engagement der Wirtschaft ist auch das Projekt „LOG IN – Dialog schafft Integration“ der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände gemeinsam mit dem Integrationsamt und dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft. LOG IN zielt auf die Beschäftigungsförderung von Menschen mit Behinderungen ab und bietet den betrieblichen Akteuren persönliche, bedarfsorientierte Beratung und betriebsbezogene Prozessbegleitung bzgl. der Integration von behinderten und schwerbehinderten Menschen.


Es kommt entscheidend darauf an, diese Art der Selbsthilfe der Wirtschaft zu fördern und als Beispiele der sozialen Eigenverantwortung herauszustellen und zu unterstützen. Durch Best-Practice-Beispiele kann das Vertrauen in die Zusammenarbeit zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen gestärkt und ein positiver Nachahmungseffekt bewirkt werden. Um mehr Freiraum für private und freiwillige Initiativen zu schaffen, muss aber die nicht mehr erforderliche Überregulierung zurückgefahren werden. Darüber hinaus kommt es darauf an, auf die Arbeitgeber zuzugehen, sie interessiert zu machen, aufzuschließen und zum persönlichen Engagement zu bewegen, vor allem derjenigen, die die Eingliederung schwerbehinderter Menschen nicht aus eigener Erfahrung und Kraft bewältigen können. Dazu dienen die Initiativen der Wirtschaft wie auch umfassendere Kampagnen „50.000 Jobs für Schwerbehinderte“ und die aktuelle Initiative der Bundesregierung „job“, in die sich Arbeitgeberverbände und Unternehmen aktiv einbringen.