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Kunst und Kultur

Unternehmen engagieren sich aus Tradition und Überzeugung für die Kultur

Als „Corporate Citizen“ investieren Unternehmen in ihr gesellschaftliches Umfeld. Besondere Bedeutung kommt dabei der Kultur zu als Basis, auf der unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem gründen. Zusammen mit Partnern aus anderen Bereichen setzen sie sich für unterschiedlichste kulturelle Projekte ein. Dabei bringen sie nicht nur Geld, sondern alle ihre Ressourcen ein – also Mitarbeiter, fachliches Know-how, Organisationskompetenz, u. ä. Seit jeher engagieren sich deutsche Unternehmen aus Tradition und Überzeugung als „gute Bürger“ für die Kultur. Die Formen des Engagements sind dabei vielfältig und unterliegen gesellschaftsbedingten Wandlungen.

Viele Unternehmen unterstützen durch Spenden oder durch Mitgliedsbeiträge zu gemeinnützigen Vereinen und Freundes- und Förderkreisen Kulturinstitutionen und -projekte im besten mäzenatischen Sinne. Das Engagement beschränkt sich dabei nicht ausschließlich auf die finanzielle Unterstützung; auch durch die Übernahme von Ehrenämtern und freiwilligen Aufgaben in kulturellen Institutionen leistet eine große Zahl von Entscheidungsträgern der Wirtschaft einen konkreten Beitrag für Kunst und Kultur.

Stiftungen sind eine weitere Säule der mäzenatischen Kulturförderung. Sie fördern Kunst und Kultur aus ihrem eigenen Vermögen heraus nachhaltig und uneingeschränkt gemäß ihrer Satzung. Unternehmensstiftungen, die ausschließlich oder unter anderem der Kulturförderung dienen, sind ein jüngeres Phänomen, spielen jedoch in der heutigen Kulturfinanzierung eine erhebliche Rolle. Sie können unabhängig von kurzfristigen unternehmensrelevanten Entscheidungen innovativ und kreativ fördern, gleichzeitig langfristig planen und handeln und sind damit für viele Kulturinstitutionen ein verlässlicher und nicht mehr wegzudenkender Partner geworden.

Spätestens seit den 80er Jahren ist Kultursponsoring ein Thema in Deutschland und ist mittlerweile zu einem festen Kommunikationsinstrument in Unternehmen geworden. Es ist eine moderne Form der Kulturförderung mit den klassischen Eigenschaften eines Marketinginstrumentes. Dieses Instrument ist vor allem dann erfolgreich, wenn das Kultursponsoring glaubwürdig als Teil des gesellschaftlichen Engagements verstanden und kommuniziert wird. Die Gestaltungsformen des Kultursponsorings sind vielfältig geworden. Längst sind es Unternehmen unterschiedlichster Größe und Branchen, die auf eine Mischung aus klassischer Werbung, flankierendem Marketing und Sponsoring setzen. Während anfänglich eher Großereignisse gesponsert wurden, konzentrieren sich die Unternehmen zunehmend auch auf exzeptionelle, kleinere und avantgardistische Projekte. Immer mehr mittelständische Unternehmen haben Kultursponsoring als geeignetes Kommunikationsinstrument für sich entdeckt und leisten in ihrer Region Beträchtliches. Damit nehmen die Mittel für Kultursponsoring stetig zu.

Im Einsatz des kulturellen Engagements von Unternehmen zeichnet sich eine immer stärkere Professionalisierung ab. Unternehmen entwickeln zunehmend umfassende Strategien und vernetzen ihr Kulturengagement mit den übrigen Kommunikationsinstrumenten im Unternehmen. Sie arbeiten oft operativ, verwirklichen also eigene Kulturprojekte oder entwickeln sie gemeinsam mit Partnern aus der Kultur, und nutzen das Engagement nicht nur zur Außenwirkung, sondern auch intern zur Mitarbeitermotivation. Die Einbindung des Kulturengagements in gesamtunternehmerische Corporate Social Responsibilty-Strategien ist bei großen Unternehmen bereits selbstverständlich. Diese Entwicklung fordert sowohl auf Seiten der Unternehmen aber auch auf Seiten der Kulturinstitutionen eine immer stärkere Professionalität und Ideenreichtum bei der Gestaltung von Partnerschaften. Einige Public Private Partnership-Modelle vor allem aus dem Museumsbereich zeigen beispielhaft, wie derartige Partnerschaften nachhaltig gestaltet und für beide Seiten nutzbringend sein können.

Seien es Stifter oder Auftraggeber, Träger oder Förderer, Mäzene oder Sponsoren – die Motive der Wirtschaft, sich für Kultur zu engagieren, sind vielfältig und nur aus einem bestimmten historischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Kontext heraus zu erklären. Auch in Zukunft wird sich die alte und immer wieder neue Verbindung von Wirtschaft und Kultur festigen. Dies wird bei der Einbindung aller materiellen und ideellen Ressourcen in das komplexe Netzwerk des globalen Marktes eine wichtige Rolle spielen. Zweifellos ist die Begegnung der beiden unterschiedlichen Lebenswelten inhaltlich kreativ und fruchtbar. Letztlich fordern die Bürger von den Unternehmen neben der effizienten Güterversorgung zunehmend auch die Rücksichtnahme auf kulturelle, ökologische und soziale Belange bzw. die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung.

Gerade in Zeiten finanzieller Engpässe der öffentlichen Geldgeber ist ein so vielseitiges und flächendeckendes Kulturleben, wie wir es in Deutschland kennen, ohne das Engagement der Wirtschaft undenkbar geworden. Die Unternehmen möchten dabei aber nicht als Lückenbüßer gesehen werden, sondern als ernst genommener Partner, der komplementär zur öffentlichen Kulturfinanzierung Wichtiges leistet.