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Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeitsstandards

Im Zuge der wachsenden internationalen Handelsverflechtung und der Etablierung weltweiter Produktionsnetzwerke steigt das Interesse der Konsumenten an Informationen über die gesellschaftlichen Auswirkungen der Produkte sowie deren Produktionsprozessen. Insbesondere in den Industrieländern gibt es eine wachsende Gruppe von Konsumenten, die soziale und ökologische Wirkungen von Produktion, Transport und Konsum in ihre Kaufentscheidung einfließen lassen. Marktstudien zeigen, dass bis zu 30% der Konsumenten sich mit einem nachhaltigen Lebensstil identifizieren.

In den letzten Jahren sind eine Vielzahl von freiwilligen bzw. privaten Nachhaltigkeitsstandards – und Labels entstanden. Diese wurden ursprünglich von unterschiedlichen Gruppen, wie Nichtregierungsorganisationen (aus den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, Kirchen, Umwelt, Verbraucherschutz) oder dem Privatsektor, entwickelt, werden zunehmend jedoch von verschiedenen Gruppen gemeinsam festgelegt („multi-stakeholder“-Ansatz), wie z.B. der „Roundtable on Sustainable Biofuels“.

Bei den freiwilligen bzw. privaten Nachhaltigkeitsstandards- und Labels kann grob zwischen „business-to-business- b2b“-Standards, wie z.B. dem Groß- und Einzelhandel-Standard aus dem Lebensmittelbereich GlobalGAP, und „producers-to-consumers”-Labels, wie z.B. dem „Transfair“ („Fair Trade“) – Siegel, unterschieden werden. Beide Ansätze sind für weltweit aktive Unternehmen freiwillige Instrumente, um gegenüber Kunden, Lieferanten und/ oder interessierten Kreisen ihre gesellschaftliche Eigenverantwortung zu dokumentieren.

Es gibt verschiedene Initiativen und Internetportale, die Übersicht über Standards und Labels geben und zum Teil Empfehlungen aussprechen. Aus Sicht der Wirtschaft sind v.a. solche Initiativen von Interesse, die neutrale, nicht diskriminierende Informationen über Standards und Labels zur Verfügung stellen.

Die meisten freiwilligen Standards und Labels haben gemeinsam, dass sie:
  • Mindestanforderungen (v.a. sozialer und ökologischer Art) definieren, die von vorneherein oder in einer bestimmten Zeit erfüllt werden müssen;
  • i.d.R. Fortschrittsanforderungen definieren, bei denen der Produzent kontinuierlichen Verbesserungen nachweisen muss;
  • Bezug auf internationale Vereinbarungen (Arbeits-, Sozial- und Umweltübereinkommen), wie z.B. die ILO-Kernarbeitsnormen nehmen;
  • Zertifizierungskriterien entwickeln, die von den Prinzipien der Transparenz und Unabhängigkeit geleitet werden;
  • i.d.R. unabhängigen Kontrollen und Zertifizierung von Dritten („third-party certification“) unterliegen;
  • häufig unter Beteiligung unterschiedlicher Gesellschaftsgruppen („stakeholder“) bzw. Wirtschaftsakteuren entwickelt werden bzw. wurden („multi-stakeholder“-Ansatz);
  • häufig zum Aufbau von Kapazitäten („capacity-building“), insbesondere Qualifizierung, in Schwellen- und Entwicklungsländern beitragen.
Um erfolgreich zu sein, müssen freiwillige bzw. private Nachhaltigkeits-Standards bzw. Labels aussagekräftige, fundierte Informationen über konkrete Produkte/Leistungen der Unternehmen geben, ihre Inhalte dürfen also nicht auf Mindestanforderungen reduziert werden. Zugleich sollten sie die im Wettbewerb um gute CSR-Lösungen erforderliche Flexibilität und notwendigen Handlungsspielräume gewährleisten. Die Kriterien für solche Labels sollten transparent sein. Bei der Vergabe von Nachhaltigkeits-Labels sollte nicht diskriminiert werden.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit berät über ihre Durchführungsorganisationen, wie GIZ (frühere GTZ) und in Kooperation mit internationalen Organisationen, wie dem „International Trade Centre (ITC)“ - einer Tochterorganisation der Welthandelsorganisation (WTO), Partner in Schwellen- und Entwicklungsländern sowie (deutsche) Unternehmen in der Anwendung, Nutzung und Vergleichbarkeit von freiwilligen bzw. privaten Nachhaltigkeits-Standards und Labels. In diesem Rahmen hat sich die deutsche Entwicklungszusammenarbeit im Sinne der Transparenz auch am Aufbau einer neutralen internationalen Informations-Plattform über freiwillige bzw. private Nachhaltigkeits-Standards und Labels beteiligt, deren auf Deutschland bezogener Teil v.a. auf die Bedürfe von KMUs und öffentliche Beschaffungsstellen zugeschnitten ist.

Nachhaltige Entwicklung und Exportkredite

Das Thema Nachhaltige Entwicklung hat im Bereich der staatlich abgesicherten Exportkredite einen hohen Stellenwert. Bei der Antragsprüfung werden Umwelt-/Sozialauswirkungen von Projekten als wichtiger Aspekt sowohl der Förderungswürdigkeit als auch des Risikos geprüft. Hierbei kommt es der Bundesregierung darauf an, keine Projekte zu fördern, die mit schwerwiegenden negativen ökologischen, sozialen oder entwicklungspolitischen Konsequenzen verbunden sind. Um dies sicherzustellen, werden Anträge auf ihre möglichen Umwelt-/Sozialauswirkungen geprüft.

Die deutsche Industrie akzeptiert die existierenden OECD-Standards zur Berücksichtigung von Umwelt- und Sozialaspekten bei der Vergabe von Exportkreditgarantien. Nur durch ein einheitliches internationales Vorgehen kann sichergestellt werden, dass die angestrebten positiven Effekte wirklich erreicht werden und dass es nicht zu Wettbewerbsverzerrungen durch Andere Marktteilnehmer kommt.

Exportkreditgarantien sind prämienfinanzierte Versicherungen zur Absicherung von Risiken in neuen, schwierigen Märkten. Sie sind ein Instrument der Außenwirtschaftsförderung und sichern damit auch Arbeitsplätze im Inland. Eine Überfrachtung mit sozial- oder entwicklungspolitischen Kriterien würde lediglich die Chancen der Konkurrenz erhöhen und nicht zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen