Schriftgröße:
  • +
  • -

Nationaler Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland

Der 2004 zwischen Bundesregierung und Wirtschaft für drei Jahre abgeschlossene und 2007 bis 2010 erstmals verlängerte „Nationale Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland“ hat sein Ziel erreicht. So konnten „in enger Zusammenarbeit mit den Ländern allen ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen jungen Menschen ein Angebot auf Ausbildung“ unterbreitet werden. Die im Pakt vereinbarten Zusagen sind deutlich erfüllt worden. Neue Ausbildungsplätze und Plätze für Einstiegsqualifizierungen sowie (ab 2007) neue Ausbildungsbetriebe sind nicht unerheblich über das zugesagte Ziel hinaus angeboten worden. Durch das Engagement der Paktpartner wurde damit eine Trendwende auf dem Ausbildungsmarkt geschafft. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist insgesamt trotz gleichzeitigem Bewerberrückgang gestiegen. Darüber hinaus wurde mit den Einstiegsqualifizierungen (EQJ) ein erfolgreiches Instrument als Brücke von Schule in Ausbildung etabliert. Bis zu 75 Prozent der Teilnehmer sind anschließend in Ausbildung gekommen. Zudem haben die Betriebe, die EQJ anboten, ihre Ausbildungsleistung gesteigert. Im Oktober 2010 haben Bundesregierung und Wirtschaft den „Nationalen Pakt für Ausbildung und Fachkräftesicherung in Deutschland“ bis 2014 verlängert und gemeinsam mit den neuen Paktpartnern Kultusministerkonferenz (KMK) und Integrationsbeauftragter der Bundesregierung weiterentwickelt.

Der Ausbildungspakt wurde angesichts rückläufiger Bewerberzahlen stärker auf die Fachkräftesicherung und Ausbildungsreife ausgerichtet. Die Potenziale auf dem Ausbildungsmarkt sollen besser erschlossen werden. Die Paktpartner bekräftigen dabei das Ziel, auch weiterhin allen ausbildungsreifen und ausbildungswilligen Jugendlichen ein Angebot auf Ausbildung zu unterbreiten, das zu einem anerkannten Abschluss hinführt. Zu diesem Angebot zählen auch Einstiegsqualifizierungen. Dabei hat die Vermittlung in betriebliche Ausbildung Priorität. Zudem sollen verstärkt solche Jugendliche in den Blick genommen werden, die bisher Schwierigkeiten beim Übergang in Ausbildung hatten (v. a. Altbewerber, Migranten, sozial benachteiligte und lernbeeinträchtigte Jugendliche). Das heißt vor allem, die Ausbildungsreife und Berufsorientierung zu verbessern sowie schwächere Jugendliche intensiver zu fördern. Zudem sollen auch mehr leistungsstarke Jugendliche für eine betriebliche Berufsausbildung gewonnen werden.

Die Paktpartner haben insgesamt zu folgenden Handlungsfeldern Ziele und eigene Beiträge vereinbart: Ausbildungsreife sicherstellen, Berufsorientierung ausbauen und weiterentwickeln, Jugendliche und Betriebe besser zusammenbringen, alle Potenziale erschließen, neue Ausbildungsplätze und neue Ausbildungsbetriebe gewinnen, Übergangssystem neu strukturieren und effizienter gestalten, Datenlage verbessern.

Die Wirtschaft strebt im Rahmen ihrer Paktbeiträge insbesondere an, im Durchschnitt pro Jahr 60.000 neue Ausbildungsplätze, 30.000 neue Ausbildungsbetriebe sowie 30.000 betrieblich durchgeführte Einstiegsqualifizierungen einzuwerben. Zur Förderung benachteiligter Jugendlicher strebt die Wirtschaft an, zusätzlich 10.000 Einstiegsqualifizierungen mit gezielten Unterstützungsangeboten (EQ Plus) bereit zu stellen. Die Erfüllbarkeit dieser Ziele kann durch die demografische Entwicklung erschwert werden. Auch setzt die Erfüllbarkeit Verbesserungen bei der Ausbildungsreife voraus, damit sich ausreichend ausbildungsreife Jugendliche um Ausbildungsplätze bewerben. Zudem wird die Wirtschaft bestehende Partnerschaften mit Schulen intensivieren und neue aufbauen.

Die Arbeitgeberverbände tragen mit vielen Initiativen zur Umsetzung des Paktes bei, etwa durch Unterstützung ausbildender Betriebe, Berufsvorbereitung schwächerer Jugendlicher und Berufsorientierung von Schülern. Eine besondere Rolle spielt gerade bei der stärkeren Fokussierung des Paktes auf Ausbildungsreife und Berufsorientierung das bundesweite Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT. Es steht beispielsweise für die Zusage, jeder interessierten Schule einen Partner aus der Wirtschaft zu vermitteln. Zudem wird das Netzwerk sein Augenmerk künftig stärker auf die Berufsorientierung junger Migranten richten.