| Ökobilanzen als Instrument für das „Umweltprofil“ eines Produktes
Ökobilanzen sind „Momentaufnahmen“ des ökologischen Profils eines Produkts. Die Frage, welche Daten für eine konkrete Ökobilanz bereitzustellen sind, muss bei jedem neuen Ökobilanz-Projekt zwischen den Beteiligten diskutiert und entschieden werden. Die international anerkannten Normen der Internationalen Standardisierungsorganisation ISO 14040 ff. geben Unternehmen die umfassende Anleitung für die Durchführung von Ökobilanzen. Sie liefern kein abschließendes Urteil über die Umweltverträglichkeit eines Produkts und erst recht keine abschließende "punktgenaue" Handlungsanweisung. Ökobilanzen bilden dynamische Prozesse ab, die von sich ändernden Rahmenbedingungen und technologischer Innovation geprägt sind.
Wichtig für die Unternehmen sind ökologische Untersuchungsverfahren, die einerseits kritische Fälle - ökologische Schwachstellen - sicher identifizieren und als Kompass zur Entwicklung langfristig nachhaltiger Strategien dienen können. Zugleich benötigen Unternehmen Werkzeuge, um Chancen am Markt, welche sich durch eine ökologische Orientierung von Verbraucherentscheidungen bieten, innovativ nutzen zu können. Ferner bietet dieses Instrument Unternehmen wesentliche Chancen in der Kommunikation mit den Verbrauchern, der Politik und gesellschaftlichen Interessengruppen.
Insgesamt leisten Ökobilanzen folgendes:
- Die Daten erlauben differenziert zu ermitteln, um wie viel die untersuchten Alternativen sich jeweils unterscheiden. Sie ersetzen somit pauschale Vermutungen durch präzisere Informationen.
- Ökobilanzen erlauben zu erkennen, wann und in welcher Form die Lösung eines ökologischen Problems zu Lasten eines anderen erfolgt. Problemverschiebungen, zum Beispiel von einer Stufe des Produktlebenszyklus auf die nächste, werden erkennbar und Umweltentlastungsstrategien damit zuverlässiger gestaltbar.
- Ökobilanzen erlauben es, den jeweiligen technischen Gestaltungsoptionen neben ihren ökonomischen "Costs" und "Benefits" auch ihre ökologischen Vor- und Nachteile zuzuordnen.
- Sie identifizieren ökologischen Handlungsbedarf und können wichtige Argumente liefern, wenn es gilt, umweltbezogene Entscheidungen im Unternehmen ökologisch und ökonomisch zu rechtfertigen.
- Ökobilanzen tragen zu einer ökonomisch effizienten Verwendung der Ressourcen der Unternehmen bei, indem sie wichtige und unwichtige Umweltauswirkungen zu unterscheiden erlauben und diejenigen Umweltauswirkungen identifizieren, auf die das Unternehmen den größten Einfluss hat.
Ökobilanzen zur Information von Öffentlichkeit und Politik
Ökobilanzen spielen eine zunehmend wichtige Rolle in der politischen Diskussion um die ökologischen Profile von Produkten und Produktionsprozessen. Sie bieten die Möglichkeit, über den gesamten Lebensweg hinweg Umweltauswirkungen und die sie bestimmenden Momente zu analysieren und damit Grundlagen für Entscheidungen bereitzustellen. Dies geschieht in Unternehmen, aber auch in Politik und Öffentlichkeit. Ökobilanzen bergen damit Chancen, aber auch Risiken in der umweltpolitischen Diskussion.
Für belastbare Aussagen, mit denen politische Auftraggeber und Unternehmen bzw. Verbände als Initiatoren von Ökobilanzen in der Öffentlichkeit argumentieren, ist die Transparenz und Nachvollziehbarkeit aller Schritte der jeweiligen Studie und der angewandten Methoden unabdingbar. Für diese zentralen Anforderungen legt die internationale Normenreihe ISO 14040 ff. die weltweit gültigen Spielregeln fest - von der Zieldefinition über die Datensammlung, die Analyse der verschiedenen Umweltauswirkungen bis zur abschließenden Auswertung. Auf die Einhaltung von ISO 14040 ff. bei Studien, die der politischen Entscheidungsfindung dienen sollen, hat sich das Umweltbundesamt (UBA) gegenüber der Industrie in den „UBA-Verfahrensregeln für Ökobilanzen“ verpflichtet.
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