Berlin, 20.11.2019

MINT-Lücke mit 263.000 fehlenden Arbeitskräften trotz konjunktureller Abkühlung weiter auf hohem Niveau – IT-Lücke wegen Digitalisierung mehr als doppelt so hoch wie vor fünf Jahren

Den Unternehmen fehlten im Oktober 263.000 Arbeitskräfte im sogenannten MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Damit ist die Lücke konjunkturbedingt leicht gesunken. Im Zuge der Digitalisierung nehmen in den letzten Jahren Beschäftigung und Nachfrage vor allem in den IT-Berufen stark zu. Die IT-Lücke ist von 20.500 im Oktober 2014 auf 52.100 im Oktober 2019 stark gestiegen.
Prof. Dr. Axel Plünnecke, Leiter Kompetenzfeld Bildung, Zuwanderung und Innovation am Institut der deutschen Wirtschaft Köln: „Ohne die seit Ende 2012 anhaltende hohe Beschäftigungsdynamik unter Ausländern würden heute 232.400 Fachkräfte in den MINT-Berufen zusätzlich fehlen und die Lücke rund eine halbe Millionen betragen. Vor allem in den IT-Berufen hat die Zuwanderung stark zur Fachkräftesicherung beigetragen. Eine aktuelle Unternehmensbefragung des IW zeigt, dass die Unternehmen die Herausforderungen der Digitalisierung annehmen, in den nächsten fünf Jahren aber vor allem Probleme der Fachkräfteverfügbarkeit erwarten. Daher wünschen sich die Unternehmen vor allem zusätzliche Bildungsinvestitionen des Staates.“

Dr. Michael Stahl, Geschäftsführer Bildung und Volkswirtschaft des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall: „MINT-Erwerbstätigkeit und Innovationsstärke sind eng miteinander verzahnt, das zeigt sich gerade in der Metall- und Elektro-Industrie: Unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den M+E-Unternehmen sind im Schnitt etwa 60 Prozent beruflich oder akademisch ausgebildete MINT-Kräfte. Gleichzeitig wendet die M+E-Industrie rund 100 Milliarden Euro im Jahr für Innovationen auf, das sind rund zwei Drittel aller Innovationsaufwendungen in Deutschland.

Thomas Sattelberger MdB, Vorstandsvorsitzender der Initiative „MINT Zukunft schaffen“: „Deutschland muss bei der Digitalisierung Weltspitze werden. Es fehlen IT-Experten vor allem in ländlichen Regionen. Hier müssen Hochschulen gestärkt werden. Die Länder müssen den Weckruf der traurigen ICILS-Ergebnisse annehmen, jetzt endlich anpacken und den Weg frei machen, damit die Gelder aus dem Digitalpakt schnell in den Schulen ankommen. Das ist aber nur der allererste Schritt. Wir brauchen zügig einen Digitalpakt 2.0 mit mehr Mitteln für IT-Administratoren in Schulen und einer zeitgemäßen Bildung und Unterstützung von Lehrkräften.“

 Der MINT-Report wird zweimal jährlich vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln erstellt. Die Studie entsteht im Auftrag der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, des Bundesverbands der Deutschen Industrie, des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall und der Initiative „MINT Zukunft schaffen“.

 

WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN