Hochschule / Hochschulpolitik

Wettbewerb stärken, Niveau verbessern

Das deutsche Hochschulsystem weist im internationalen Vergleich durchaus Stärken auf, ist jedoch gleichzeitig durch einige gravierende Fehlsteuerungen und Ineffizienzen gekennzeichnet. Die Abbrecherquoten sind nach wie vor viel zu hoch und auch die Praxisorientierung vieler Studiengänge verbesserungswürdig. Die wissenschaftliche Weiterbildung muss von den Hochschulen als Kernaufgabe neben Forschung und Lehre wahrgenommen und ausgefüllt werden.
Eine intensive Betreuung vor allem in der Studieneingangsphase, umfassende Studienberatung sowie Brückenkurse für Studienanfängerinnen und -anfänger mit unzureichenden Studienvoraussetzungen sind wichtige Stellschrauben, um die Abbrecherquoten, insbesondere in den wirtschaftlich so wichtigen MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), zu senken. Durch Praktika im Studium sowie durch projektbasiertes und problemorientiertes Lernen sollte die Praxisorientierung in den Studiengängen deutlich ausgebaut werden.

Praxisnahe Ausbildung in hoher Qualität schaffen

Die Berufsbefähigung (Beschäftigungsfähigkeit, aber auch Unternehmertum) der Absolventinnen und Absolventen muss unabhängig vom Fach zu einem der zentralen Ziele jedes Studiengangs werden. Beschäftigungsprofile der Praxis sind aufzunehmen und daraus arbeitsmarktrelevante Studienangebote zu entwickeln. Eine gezielte Förderung exzellenter Lehre sollte die Gleichwertigkeit von Lehre und Forschung an den Hochschulen betonen und den Wettbewerb unter den Hochschulen weiter stärken. Die Hochschulen gestalten die Inhalte ihrer Angebote und sind verantwortlich für deren Qualität, die durch externe Qualitätssicherungsverfahren wie die Akkreditierung regelmäßig überprüft wird.

Autonomie und Wettbewerb stärken

Zum Leitbild eines zukunftsfähigen Hochschulsystems gehören die Vielfalt der Profile von Hochschulen sowie die eigenverantwortliche wissenschaftliche Schwerpunktsetzung im Wettbewerb. Profilbildung setzt Autonomie in Personalrekrutierung, Finanzverantwortung und Management voraus. Dies bedeutet: Die Landeshochschulgesetze müssen entschlackt und Hochschulen in die Selbstständigkeit entlassen werden. Autonomie bedeutet Verantwortung. Die Hochschulen geben daher regelmäßig Rechenschaft über ihre Leistungen, die Erfüllung der an sie gestellten Anforderungen und die Verwendung öffentlicher Mittel.

Effizientes Management und serviceorientierte Verwaltung ausbauen

Hochschulen sind aufgefordert, ihre Strategie für die weitere Entwicklung eigenverantwortlich zu entwerfen und umzusetzen. Dafür sind effiziente Leitungsstrukturen sowie eine effiziente und serviceorientierte Verwaltung zu schaffen. Darüber hinaus muss zur Leistungssteigerung ein flexibles Rekrutierungsverfahren auch beim wissenschaftlichen Personal selbstverständlich sein.

Hochschulfinanzierung neu gestalten

Die Grundfinanzierung der Hochschulen muss staatliche Aufgabe bleiben. Dies gilt gerade angesichts der weiterhin hohen Studierendenzahlen. Bei der Finanzierung müssen dabei neben der Zahl der Studierenden zukünftig auch stärker die Erfolgsquote sowie die Qualität der Lehre mit einbezogen werden. Die Veränderung der Parameter beim „Zukunftsvertrag
Studium und Lehre stärken“, dem Nachfolgeprogramm des Hochschulpakts, ist ein erster Schritt dorthin.

Qualitativ ist darauf zu achten, dass ausreichend Mittel für die deutlich teureren MINT-Studienplätze (jährliche Durchschnittskosten ca. 9.000 €, Geisteswissenschaften rd. 5.600 €) eingeplant werden. Öffentliche Mittel im Hochschulbereich sind auf der Basis von nachfrage- und wettbewerbsorientierten Kriterien zu vergeben. Die Möglichkeiten zur Erwirtschaftung eigener Einnahmen durch Drittmittel, Verwertungsgewinne sowie Einnahmen aus Weiterbildungsangeboten sind deutlich auszubauen. Die Hochschulen sollten das Recht erhalten, sozialverträglich nachgelagerte Studienbeiträge einzuführen. Wie Umfragen (z.B. ifo-Bildungsbarometer) seit Jahren zeigen, werden diese nachgelagerten Studienbeiträge auch von einer deutlichen Mehrheit in Deutschland befürwortet.

Bologna-Prozess konsequent umsetzen – Chancen der Internationalisierung besser nutzen

Der Bologna-Prozess und damit der Aufbau eines zweistufigen Studiensystems war und ist die richtige Antwort auf die Veränderungen der Arbeitswelt. Nach der grundlegenden strukturellen Neukonzeption muss weiterhin die inhaltliche Weiterentwicklung und Qualitätssicherung (Akkreditierung) der Studiengänge im Mittelpunkt stehen. Kennzeichen aller Bachelor- und Masterstudiengänge muss die Stärkung der Schlüsselkompetenzen und der Persönlichkeitsbildung der Studierenden sowie die hohe wissenschaftliche Qualität der Studienangebote sein. Damit wird die internationale Anschlussfähigkeit gesichert, Mobilität gefördert und wesentlich zur Verkürzung der Studienzeiten beigetragen. Die Bologna-Reform beinhaltet auch eine stärkere Verzahnung von Bildungs- und Erwerbsphasen. Die Hochschulen sind daher aufgefordert, vermehrt Weiterbildungsangebote zu schaffen und berufsbegleitende Studiengänge anzubieten.


Immer mehr internationale Studierende kommen nach Deutschland, aber nur rd. die Hälfte verbleibt nach dem Abschluss im Land. Hier gehen dem deutschen Arbeitsmarkt Talente verloren. Zukünftig muss es gelingen, diese Potenziale zur Fachkräftesicherung besser zu nutzen und die Verbleibquote nachhaltig zu erhöhen.

Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte öffnen

Der Anteil der Studierenden, die auf der Basis ihrer beruflichen Qualifikation ein Studium aufgenommen haben, liegt unter den Studienanfängerinnen und -anfängern bundesweit zur Zeit bei nur 2,6 Prozent, das sind rund 13.100 Männer und Frauen (CHE 2018). Dieser Anteil könnte deutlich gesteigert werden, indem mehr berufsbegleitend studierbare Angebote geschaffen und von Schulen und Berufsschulen besser über die Möglichkeit eines Studiums ohne Abitur informiert wird. Darüber hinaus darf der Hochschulzugang nicht durch unnötige formale Hürden beschränkt werden. Vielmehr sollten die Hochschulen selbst ihre Studierenden unter den Abiturientinnen und Abiturienten wie auch beruflich Qualifizierten auswählen. Es gilt: Wer die Fähigkeiten zu einem Studium besitzt, muss auch studieren können.
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