03.11.2020

Die Systemgastronomie in der Corona-Krise

Die Corona-Pandemie ist eine Herausforderung für die gesamte deutsche Wirtschaft. Doch insbesondere meine Branche und Mitglieder sind von den Auswirkungen der Krise, dem Unsicherheitsgefühl in der Bevölkerung, durch politische Entscheidungen und durch staatliches Handeln am stärksten betroffen.
Kommentar der Woche - BDA Agenda, Andrea Belegante, BdS-Hauptgeschäftsführerin

Unsere Branche musste ihre Betriebe als erstes schließen. Dramatische Umsatzverluste von 50%, teilweise gar 100% und bis heute geschlossene Restaurants waren die Folge. Nach einer zaghaften Erholung im Sommer wurden unsere schlimmsten Befürchtungen nach der Konferenz der Bundeskanzlerin mit den Länderchefs am 28. Oktober 2020 leider bestätigt. Nun trifft es erneut unsere überwiegend mittelständischen Mitglieder. Die Restaurants müssen im November schließen. Und das trotz der Einhaltung strengster, behördlich genehmigter Hygienevorgaben und Investitionen in Schutzmaßnahmen, wie zum Beispiel Luftfilter, Trennwände, Masken.

Die jetzt ergriffenen Maßnahmen sind aus unserer Sicht weder zielführend noch nachvollziehbar. Haben sich unsere Mitglieder zu Beginn der Krise im März pragmatisch verhalten, auf die neue Situation reagiert und auch Verständnis für politische Maßnahmen gezeigt, so schwindet diese Akzeptanz nun spürbar. Ärger, Wut, Unverständnis und Verdruss greifen bei den Unternehmerinnen und Unternehmern um sich.

Und auch die über 120.000 Beschäftigten unserer Mitglieder stehen erneut vor einer ungewissen Zukunft. Der BdS hat sozial- und tarifpolitische Verantwortung übernommen und gemeinsam mit unserem Sozialpartner, der Gewerkschaft NGG, das Instrument der Kurzarbeit und eine Aufstockung des Kurzarbeitergelds vereinbart. Wir haben unseren Kräften entsprechend alles getan, um durch die Krise zu kommen.

Doch viele unserer Mitglieder sind wirtschaftlich wie persönlich am Rande ihrer Kräfte. Jetzt muss der Staat schnell, langfristig und wirksame Hilfe leisten. Es hat sich gezeigt, dass die Senkung der Mehrwertsteuer die Gastronomie in die Lage versetzt hat, Arbeitsplätze zu sichern, Umsatzverluste auszugleichen und Kredite zurückzubezahlen. Wir fordern deshalb die Verlängerung der Mehrwertsteuersenkung mit Einbeziehung der Getränke über den 30. Juni 2021 hinaus. Sollte diese Hilfe nicht kommen, sehe ich eine Vielzahl unternehmerischer Existenzen, Arbeitsplätze und die gastronomische Vielfalt in Deutschland akut gefährdet.