10.06.2020

Ja zu mobilen Arbeitsformen – Nein zu staatlicher Regelungswut

Fotoquelle: Marina Zlochin / Adobe Stock
Digitalisierung ist zwar längst kein Fremdwort mehr in der öffentlichen Verwaltung, aber dennoch hinkt Deutschland im internationalen Vergleich deutlich hinterher. Das zeigt sich gerade auch in dem Verständnis, dass manchen Vorschlägen zu neuen digitalen Arbeitsformen zugrunde liegt.
Beispiel: Recht auf Homeoffice. Getreu dem Motto: Was wir nicht kennen und selbst kaum genutzt haben, das müssen wir erstmal regulieren. Morgens die steuerliche Forschungsförderung beschließen und Abends Innovation ausbremsen. Na toll!
 
Die letzten Wochen haben deutlich gezeigt, dass überall dort, wo es möglich ist, Beschäftigte im Homeoffice arbeiten. Und genau dort, wo sich zeigt, dass es gut funktioniert, werden Unternehmen und Beschäftigte auch nach der Krise davon flexibel Gebrauch machen. Ein Rechtsanspruch ist also nicht nur unsinnig, sondern auch völlig überflüssig.   
 
Natürlich ist es im Interesse von Beschäftigten und Arbeitgebern gleichermaßen, mobiles Arbeiten dort einzusetzen, wo es machbar ist. Es sollte aber Sache der Unternehmen und Beschäftigten bleiben, hier individuelle und pragmatische Lösungen zu finden. Starre Gesetze helfen an dieser Stelle nicht weiter, nein, sie behindern sogar die Ausgestaltung der Arbeitsbeziehungen. Ein gesetzlicher Anspruch auf Homeoffice wäre außerdem ein schwerwiegender Eingriff in die Unternehmensfreiheit und verfassungsrechtlich höchst fragwürdig. Denn: Arbeitsort und Arbeitszeit werden vom Arbeitgeber bestimmt und richten sich grundsätzlich nach den Wünschen und Anforderungen der Kunden.  
 
Ähnlich wie beim Rechtsanspruch auf Teilzeit würde ein Rechtsanspruch auf Homeoffice auch die Idee des Betriebsfriedens völlig ausblenden. Denn klar ist doch, dass Beschäftigte, die ihren Job nicht im Homeoffice machen können, sich benachteiligt fühlen werden, wenn ihre Kollegen sich aussuchen dürfen, von wo aus sie arbeiten. Dieses Gefühl von Benachteiligung könnte eine betriebliche Zweiklassengesellschaft schaffen: Privilegierung für diejenigen, die im Homeoffice arbeiten, und Frust bei denen, deren Tätigkeit sich nicht für Mobiles Arbeiten eignet. Sollte man diesen Konflikt nicht besser auf betrieblicher Ebene lösen statt im Bundesgesetzblatt?
 
Ein Blick in die Vor-Coronazeit zeigt übrigens, dass wir beim Thema Homeoffice schon viel weiter sind, als in der aktuellen Diskussion oft schwarzgemalt wird: Rund zwei Drittel der Unternehmen in Deutschland bieten ihren Mitarbeitern die Option zum mobilen Arbeiten an, bei den großen Unternehmen beträgt der Anteil sogar 94 Prozent.  

Statt aufgewärmter Forderungen, die im digital-modernen Deckmantel daherkommen, sollte Bundesminister Heil jetzt einmal auf die Bremse treten und sich auf das konzentrieren, was in dieser Krise gerade wirklich wichtig ist. Allein mit Homeoffice lässt sich die Wirtschaft nämlich nicht am Laufen halten.